Das Erlanger Richtschwert

Mit der vollen Schärfe des Gesetzes

 

Vitrine mit Richtschwert

Lange Zeit standen Abschreckung und Sühne im Zentrum des Rechtsvollzugs – der Begriff der Resozialisierung kommt erst spät auf. So waren Hinrichtungen öffentliche Spektakel fürs Volk. Die Menschen nahmen starken Anteil am grausamen Spektakel, je nach Verlauf wurde der Henker sogar ausgebuht oder bejubelt.

Das überlieferte Richtschwert wurde 1924 aus dem Besitz der Familie Gassenmeyer vom Stadtmuseum erworben. Mitglieder dieser Familie waren in Erlangen Scharfrichter und Abdecker. Das Erlanger Exponat ist ein typisches Richtschwert aus dem 17. Jahrhundert. 1,05 m lang, hat es keine Spitze wie ein Kriegsschwert und ist beidhändig zu führen. Wie damals üblich, ist es mit einer Abbildung und Sinnsprüchen verziert: Justitia mit Augenbinde mahnt, dass mit diesem Schwert ohne Ansehung der Person gerichtet wird. Die Inschrift auf der Vorderseite kündet: „Dieses Schwert ist gewetzt und ist darzu gesetzt von gott und obrigkeit zu straffen böse Leuth. Darumb thut beyzeitten Bus und fallet Gott zu Fus Ehe ihr mit diesem Schwerdt dahin gerichtet wird“ und rechtfertigt so die Tätigkeit des Scharfrichters durch Obrigkeit und Gott.

Doch wahrscheinlich war dieses Schwert in Erlangen nie im Einsatz, denn in die Amtszeit der Gassenmeyers fielen keine Hinrichtungen in unserer Stadt.

Hartmut Heisig


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